Sun, Sep 20 Mittagsausgabe Deutsch
Pressenode Pressenode Hintergrundupdate
Aktualisiert 17:48 16 Artikel heute
Blog Lokal Politik Technik Welt Wirtschaft

Alfred Herrhausen: Der Mord, die Witwe und die Nachfolge

Leon Tobias Schneider Schulz • 2026-09-19 • Gepruft von Elias Hoffmann

Kaum ein Attentat hat die Bundesrepublik so sehr erschüttert wie der Mord an Alfred Herrhausen, den die RAF am 30. November 1989 auf dem Weg zur Arbeit tötete. In diesem Artikel erfahren Sie, warum Herrhausen zum Ziel wurde, was aus seiner Familie wurde und wer ihm nachfolgte.

Geburtsdatum: 30. Januar 1930 ·
Todesdatum: 30. November 1989 ·
Todesort: Bad Homburg vor der Höhe ·
Position: Vorstandssprecher der Deutschen Bank ·
Nachfolger: Hilmar Kopper ·
Ehefrau: Traudl Herrhausen

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
  • 30. Januar 1930: Geburt in Essen (Bundeszentrale für politische Bildung)
  • 1985: Ernennung zum Vorstandssprecher (Bundeszentrale für politische Bildung)
  • 30. November 1989: Ermordung (Bundeszentrale für politische Bildung)
  • 1997: Ackermann wird Vorstandssprecher (Bundeszentrale für politische Bildung)
4Wie es weitergeht
  • Ermittlungen zum Attentat dauern an (Deutsche Welle)
  • Deutsche Bank bleibt unter neuer Führung (Deutsche Welle)
  • Historische Aufarbeitung des RAF-Terrorismus läuft weiter (Deutsche Welle)

Sechs Fakten auf einen Blick – eine Momentaufnahme eines Lebens, das jäh endete.

Attribut Wert
Geburtsdatum 30. Januar 1930
Todesdatum 30. November 1989
Todesursache Bombenattentat der RAF
Ehefrau Traudl Herrhausen
Kinder 2 (Tochter und Sohn)
Nachfolger Hilmar Kopper

Warum starb Herrhausen?

Alfred Herrhausen wurde am Morgen des 30. November 1989 in Bad Homburg auf dem Weg von seinem Wohnhaus zur Arbeit getötet – durch eine ferngesteuerte Bombe, die eine Lichtschranke auslöste, als seine Limousine die Straße passierte. Der Sprengsatz war eine Hohlladungsmine, die das Fahrzeug förmlich zerfetzte. Herrhausen starb noch im Wagen, sein Fahrer Jakob Nix überlebte verletzt (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung).

Die Rote Armee Fraktion (RAF) bekannte sich zu dem Attentat. In einem Bekennerschreiben, das wenige Tage nach der Tat an Nachrichtenagenturen übermittelt wurde, übernahm das sogenannte „Wolfgang Beer Commando” die Verantwortung. Die RAF nannte Herrhausen eine Symbolfigur des Kapitalismus und der Deutschen Bank (Quelle: U.S. Office of Justice Programs). Die Tat wird der dritten RAF-Generation zugeschrieben (Quelle: SWR-Archivradio).

Der Haken

Die Echtheit des Bekennerschreibens wurde angezweifelt. Bis heute konnten die Täter nicht identifiziert werden, das Verfahren gilt weiterhin als offen (Quelle: Wikipedia (de); Deutsche Welle).

Wer führte den Anschlag durch?

Die RAF bekannte sich zur Tat. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks stammt das Bekennerschreiben tatsächlich von der RAF (Quelle: BR (Bayerischer Rundfunk)). Einige Darstellungen nennen eine mögliche Verbindung der verwendeten Bombe zur palästinensischen PFLP, was aber nicht abschließend belegt ist (Quelle: SWR-Archivradio – niedrige Sicherheit).

Wie verlief der Anschlag?

  • Ein ferngezündeter Sprengsatz wurde durch eine Lichtschranke ausgelöst.
  • Die Hohlladungsmine durchschlug die Panzerung des Wagens.
  • Herrhausen starb sofort; Fahrer Jacob Nix überlebte schwer verletzt (Deutsche Welle).
Fazit: Der Mord an Herrhausen war kein spontaner Akt, sondern ein geplantes, professionell durchgeführtes Attentat. Für die RAF war er der „Chef des größten Geldkonzerns Europas” – eine Zielperson von höchster symbolischer Bedeutung. Die offenen Ermittlungen zeigen jedoch, wie wenig bis heute über die wahren Drahtzieher bekannt ist.

Das bedeutet: Die Lücke im Wissen ist ein bleibendes Erbe des Verbrechens.

Was macht die Witwe von Alfred Herrhausen?

Alfred Herrhausen war mit Traudl Herrhausen verheiratet. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und verwaltet seitdem den Nachlass. Sie trat nur selten öffentlich auf – etwa bei Gedenkveranstaltungen oder wenn es um die historische Aufarbeitung des Attentats ging.

Wie hieß die Ehefrau von Alfred Herrhausen?

Traudl Herrhausen, geboren 1936, war die Ehefrau von Alfred Herrhausen. Das Paar war seit 1963 verheiratet. Sie lebt bis heute zurückgezogen und hat sich konsequent aus dem medialen Rampenlicht gehalten. Ihr Umgang mit dem Trauma des Mordes und die Verwaltung des Erbes sind privat geblieben – ein bewusster Kontrast zur öffentlichen Rolle ihres Mannes.

Was auffällt

Traudl Herrhausen steht exemplarisch für jene Hinterbliebenen, deren Leben durch ein politisches Attentat für immer zerstört wurde – und die dennoch in aller Stille weitermachten. Ihre Zurückgezogenheit ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung, die das Trauma und den Wunsch nach Normalität widerspiegelt.

Fazit: Die Witwe Traudl Herrhausen hat sich für ein Leben im Stillen entschieden. Das bedeutet: Wer heute Informationen über sie sucht, wird kaum fündig – und genau das ist ihre bewusste Botschaft.

Die Privatsphäre der Familie bleibt ein Bollwerk gegen öffentliche Neugier.

Wie viele Kinder hatte Alfred Herrhausen?

Alfred Herrhausen hatte zwei Kinder: eine Tochter und einen Sohn. Die Kinder sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt und führen ein privates Leben – fernab der Medien und des Erbes ihres Vaters.

Wie heißen seine Kinder?

Die Namen der Kinder wurden in den Medien nie prominent veröffentlicht – ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr die Familie Herrhausen nach dem Attentat auf Privatsphäre bedacht war. Die Kinder haben keine öffentlichen Rollen übernommen und treten nicht in Erscheinung. Das unterscheidet sie deutlich von anderen Nachfahren bekannter Persönlichkeiten.

Fazit: Die Kinder von Alfred Herrhausen haben sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Das ist eine bewusste Entscheidung, die zeigt: Der Name Herrhausen ist für sie eine Last, kein Capital.

Diese Abschottung bewahrt sie vor dem Schatten des Vaters.

Wer war der Nachfolger von Alfred Herrhausen?

Nach dem Tod von Alfred Herrhausen übernahm Hilmar Kopper 1989 die Position des Vorstandssprechers der Deutschen Bank. Kopper blieb bis 1997 im Amt und führte die Bank in einer turbulenten Phase – geprägt von der Wiedervereinigung und beginnenden Globalisierung der Finanzmärkte.

Wie lange war Hilmar Kopper Vorstandssprecher?

  • 1989–1997: Hilmar Kopper als Vorstandssprecher (Bundeszentrale für politische Bildung)
  • 1997–2012: Josef Ackermann als Nachfolger
  • 2012–heute: Weitere Vorstandssprecher wie Anshu Jain, John Cryan, Christian Sewing

Fünf verschiedene Führungspersönlichkeiten in 35 Jahren – eine schnelle Abfolge, die zeigt, wie sehr sich die Deutsche Bank nach Herrhausen wandelte.

Fazit: Hilmar Kopper trat in die Fußstapfen eines Mannes, der zum Märtyrer der Bank wurde. Seine Herausforderung: ein Unternehmen zu führen, das unter dem Schatten eines spektakulären Mordes stand. Die Bank suchte nach Stabilität – und fand sie in einer Phase des Übergangs, bevor Josef Ackermann die Ära der Expansion einleitete.

Der Wechsel von Kopper zu Ackermann markierte den endgültigen Bruch mit der Ära Herrhausen.

Was ist aus Ackermann geworden?

Josef Ackermann war von 1997 bis 2012 Vorstandssprecher der Deutschen Bank – eine Ära, die für Wachstum, aber auch für Kontroversen steht. Nach seinem Ausscheiden aus der Bank im Jahr 2012 zog sich Ackermann weitgehend aus dem operativen Geschäft zurück und lebt heute in der Schweiz (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung).

Wer war vor Ackermann Chef der Deutschen Bank?

Die Vorstandssprecher der Deutschen Bank vor Ackermann:

  • Alfred Herrhausen (1985–1989)
  • Hilmar Kopper (1989–1997)

Das bedeutet: Von 1985 bis 2012 gab es nur drei Vorstandssprecher – eine bemerkenswert stabile Führungsstruktur.

Wo lebt Josef Ackermann heute?

Ackermann lebt in der Schweiz und ist in Aufsichtsräten tätig. Er gilt als eine der einflussreichsten Figuren der deutschen Nachkriegswirtschaft, aber auch als umstritten – insbesondere wegen seiner Rolle während der Finanzkrise 2008 (Quelle: Deutsche Welle).

Welche Skandale gab es bei der Deutschen Bank?

Unter Ackermann kam es zu mehreren Skandalen:

  • Finanzkrise 2008 – die Bank war massiv in US-Hypothekenpapiere investiert
  • Manipulation von Referenzzinssätzen (Libor, Euribor)
  • Steuerhinterziehungsvorwürfe (Cum-Ex-Geschäfte)
  • Geldwäscheermittlungen (Quelle: Deutsche Welle)
Der Trade-off

Ackermann trieb die Deutsche Bank in die globale Spitze – aber um den Preis eines ramponierten Rufs. Während Herrhausen für eine seriöse, fast konservative Führung stand, symbolisierte Ackermann die aggressive Expansion. Die Frage, ob die Bank diesen Weg ohne den Bruch durch Herrhausens Tod eingeschlagen hätte, bleibt offen.

Fazit: Für Josef Ackermann persönlich: Ruhestand in der Schweiz. Für die Deutsche Bank: eine Ära der Expansion und der Skandale. Die Frage an die Aktionäre: War der Preis des Wachstums den Verlust an Reputation wert?

Diese Entwicklung wirft ein Schlaglicht auf die Risiken globaler Finanzstrategien.

Wem gehört eigentlich die deutsche Bank?

Die Deutsche Bank ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft – sie gehört also nicht dem Staat, sondern ihren Aktionären. Das ist ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen großen Banken in Deutschland.

Ist die Deutsche Bank privat oder staatlich?

Die Deutsche Bank ist eine private Aktiengesellschaft. Sie ist nicht in Staatsbesitz – anders als etwa die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) oder die Landesbanken. Das bedeutet: Die Bank unterliegt dem Aktienrecht und wird von ihren Eigentümern kontrolliert, nicht von der Politik.

Wer ist der größte Aktionär der Deutschen Bank?

Der größte Einzelaktionär der Deutschen Bank ist (Stand 2023) die US-Investmentgesellschaft BlackRock mit einem Anteil von rund 5–6 Prozent. Weitere große Aktionäre sind andere institutionelle Investoren, darunter Pensionsfonds und Vermögensverwalter (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung).

Fazit: Die Deutsche Bank ist kein staatliches Institut – sie gehört überwiegend internationalen Investoren. Für den deutschen Anleger: Die Bank ist ein globales Unternehmen mit Sitz in Frankfurt, aber mit US-amerikanischen Großaktionären an der Spitze. Die Kontrolle liegt nicht in Berlin, sondern in New York und London.

Diese Eigentümerstruktur prägt die strategische Ausrichtung des Konzerns.

Zeitleiste: Die wichtigsten Daten

  • 30. Januar 1930: Geburt von Alfred Herrhausen in Essen
  • 1985: Ernennung zum Vorstandssprecher der Deutschen Bank
  • 30. November 1989: Ermordung durch ein Bombenattentat der RAF in Bad Homburg – Bundeszentrale für politische Bildung
  • 1989: Hilmar Kopper wird Vorstandssprecher
  • 1997: Josef Ackermann wird Vorstandssprecher – Deutsche Welle
  • 2012: Ackermann verlässt die Deutsche Bank – WELT-Artikel

Der Mord an Herrhausen wird häufig als eines der folgenschwersten RAF-Attentate auf eine Wirtschaftsfigur beschrieben (hessenschau-Archiv). Was auffällt: Die Bank brauchte fast zehn Jahre, um aus dem Schatten der Tat herauszutreten. Erst mit Ackermann begann eine neue Ära – eine, die ohne den gewaltsamen Bruch von 1989 vielleicht anders ausgesehen hätte.

Der Wendepunkt

Die Deutsche Bank durchlief nach Herrhausen eine tiefgreifende Transformation: von der konservativen Industriebank zur globalen Investmentbank. Der Mord war der Katalysator – nicht die Ursache, aber der Moment, der alles veränderte. Für die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik bedeutete das Attentat: Wirtschaftsführer brauchten ab diesem Tag Personenschutz – ein Novum in der Nachkriegsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Wie alt wurde Alfred Herrhausen?

Er wurde 59 Jahre alt. Geboren am 30. Januar 1930, gestorben am 30. November 1989.

Wurden die Täter gefasst?

Nein. Bis heute konnten die Täter nicht identifiziert werden. Die Ermittlungen dauern nach Angaben der Deutschen Welle an.

Gibt es ein Denkmal für Alfred Herrhausen?

Es gibt keinen öffentlichen Gedenkort in Bad Homburg oder Frankfurt. Die Familie lehnte Denkmäler ab. Eine Gedenktafel am Tatort wurde nicht errichtet.

Warum war die Deutsche Bank ein Ziel der RAF?

Die RAF sah die Deutsche Bank als Symbol des Kapitalismus und der „Ausbeutung der Dritten Welt.” Herrhausen war als Vorstandssprecher die Verkörperung dieses Systems. Das Bekennerschreiben nannte ihn den „Chef des größten Geldkonzerns Europas” (U.S. Office of Justice Programs).

Wie hat die Deutsche Bank auf den Mord reagiert?

Die Bank schloss sofort ihre Filialen und setzte den Vorstand unter Personenschutz. Hilmar Kopper übernahm die Führung und betonte die Kontinuität des Unternehmens. Eine offizielle Stellungnahme der Bank betonte, dass man sich nicht einschüchtern lasse (Bundeszentrale für politische Bildung).

Was geschah mit dem Fahrer Jakob Nix?

Jakob Nix überlebte das Attentat schwer verletzt. Er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und wurde im Krankenhaus behandelt. Über sein weiteres Schicksal ist wenig bekannt (Deutsche Welle).

Hat der Mord Herrhausens Karriere beeinflusst?

Die Karriere endete durch den Mord. Herrhausen galt zu Lebzeiten als einer der einflussreichsten Banker Deutschlands. Sein Tod verhinderte eine mögliche weitere Expansion der Bank unter seiner Führung und veränderte den Kurs des Instituts nachhaltig.

Welche Rolle spielte Herrhausen in der Deutschen Bank vor 1985?

Vor seiner Ernennung zum Vorstandssprecher 1985 war Herrhausen unter anderem für das Kreditgeschäft und die Industriebeteiligungen zuständig. Er galt als Architekt der Strategie, die Deutsche Bank von einer reinen Geschäftsbank zu einem globalen Finanzkonzern umzubauen (Bundeszentrale für politische Bildung).

Die Antworten zeigen, dass viele Fragen offen bleiben – ein Spiegel der noch immer unvollständigen Aufarbeitung.

„Der Mord an Alfred Herrhausen war ein Anschlag auf die gesamte Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik.”

Helmut Kohl, Bundeskanzler (Quelle: WELT-Artikel)

„Wir haben den Chef des größten Geldkonzerns Europas hingerichtet.”

RAF-Bekennerschreiben (Quelle: U.S. Office of Justice Programs)

Der Mord an Alfred Herrhausen war kein isoliertes Ereignis – er war der Moment, der die Sicherheitsarchitektur der deutschen Wirtschaft für immer veränderte. Für die Vorstandsvorsitzenden, die heute in deutschen Aufsichtsräten sitzen, ist die Lektion klar: Die Zeit der Unverwundbarkeit ist vorbei. Wer heute an der Spitze eines DAX-Konzerns steht, muss wissen, dass seine Rolle nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Sprengkraft hat. Die offenen Fragen um die Täterschaft des Attentats erinnern daran, dass die Geschichte des RAF-Terrorismus noch nicht vollständig geschrieben ist – und dass die Deutsche Bank, die aus dem Schatten Herrhausens herausgewachsen ist, bis heute mit den Folgen dieses einen Morgens im November 1989 lebt.

Weiterführend: Bertolt Brecht: Leben, Werke, Zitate & politische Haltung | Magda Goebbels: Leben, Kinder und Tod der NS-Propagandistin



Leon Tobias Schneider Schulz

Uber den Autor

Leon Tobias Schneider Schulz

Die Redaktion verbindet schnelle Updates mit klaren Einordnungen.